Jasper: Katzengesundheit

Wer sich jemals mit der Ernährung der Katzen auseinandergesetzt hat, dem kommen viele Zweifel an unseren Tierärzten, die bei Ihrer Ausbildung von offizieller Seite nahezu das gesamte Grundwissen von der Tierfutterindustrie eingeimpft bekommen. Ganze Lehrstühle werden von großen Marken für Hunde- und Katzenfutter bezahlt. Danach folgen Sponsoringkonzepte wenn die erste eigene Tierarztpraxis eröffnet wird, so daß man sich als Tierarzt schlecht aus dem ganzen Geflecht herausschälen kann ohne auf Dauer unglaubwürdig zu wirken. Wenn jemand erst Struvittrockenfutter propagiert und in 3 Jahren dann plötzlich davon abrät, dem dürften die Kunden davonlaufen.

Auf der anderen Seite überlegen diejenigen, die sich umfassend auf dem Gebiet der Ernährung informiert haben, was der Tierarzt, der auf dem einen Gebiet schon keine Ahnung hat denn auf dem anderen Gebiet wohl so taugt. Bei dem Weg durch den Ernährungsdschungel kommt man nämlich unweigerlich an jeder zweiten Kreuzung an sogenannten alternativen Heilmethoden, oder ganzheitlichen, oder natürlichen Heilmethoden vorbei. Aussagen tun alle dasselbe: „keine böse Chemie inside“ (meint man).

Die Methoden sind so umfangreich, wie es kreative Geister gibt.

Die wichtigsten, die zu nennen wären, sind Schulmedizin, Homöopathie (+ Bachblüten, Schüssler Salze), Phytologie, TCVM, Ayurveda und Physiotherapie. Je schlimmer die Krankheit ist, desto mehr spalten sich die Geister. Bei einer einfachen Augenentzündung werden wir auf allen Gebieten noch gut bedient, wenn es um Krebs, Nierenerkrankungen oder andere chronische Erkrankungen geht, dann ähnelt das ganze schon mehr einem Kreuzzug, der meist von ein paar Laien in vorderster Front angeführt wird. Wir haben immer das Gefühl, daß die Menschen, die wirklich heilen, irgendwie gar keine Zeit haben sich seitenweise im Netz zu verewigen.

Wenn man in einem Forum erzählt, daß die Katze krank ist, dann kommen sofort viele Ratschläge. „Nimm doch Sulfur“. „Ich schwöre ja auf Bachblüten. Nimm Rescuetropfen.“ Den letzten Satz hört man übrigens bei nahezu allen Fragen. „Was mache ich wenn Miezi das Bein hinterherschleift? Nimm Rescuetropfen.“ oder „Was mache ich wenn Mausi sich immer auf die Tastatur legt? Nimm Rescuetropfen.“ „Was hilft gegen eingetrocknete Katzenkotze?“ Ihr ahnt es. „Nimm Rescuetropfen.“

Der niedrige Preis für „Sulfur“ oder „Rescuetropfen“ verleitet dann auch gerne dazu, daß an der nächstbesten Apotheke angehalten wird. Ist ja immerhin aus der Apotheke, also Medizin. Medizin ist gut für mein Katzi.

Ebenso erschreckend ist, wie viele Seiten man voller Ergebnisse angezeigt bekommt, die alle ganz tolle Tipps bereithalten. Gerade die Homöopathie hat oftmals einen schweren Stand und versucht zu vermitteln. Die Ergebnisse sind daher nahezu allesamt Fürsprachen, selten klärt jemand konstruktiv über die Risiken oder die Probleme auf. Wir sind ganz klar für alternative Heilmethoden, sagen aber genauso klar, daß diese ab einem bestimmten Grad in die Hände von Fachmännern- und frauen gehören.

Schulmedizin:
Die klassische Lehre der Heilkunde. Jeder, der seinen Doktor in der Veterinärmedizin gemacht hat, ist in dieser Lehre ausgebildet. Es gibt auch Spezialisten, die sich auf ein bestimmtes Fachgebiet wie z.B. Kardiologie oder den Bewegungsapparat versteift haben. Tierärzte, die auch alternative Heilmethoden anbieten, haben diese Kenntnisse durch Fortbildungen erworben.

Die Schulmedizin ist bisher die einzige umfassende Heilkunde, die für alle Wehwehchen eine Lösung hat. Man kann jetzt anfangen alles kritisch zu sehen. Von der Impfung angefangen, über Operationen, Psychopharmaka fürs Tier bis hin zur „GOT“, der Gebührenordnung für Tierärzte, bei der sich mancher Tierhalter denkt, daß dort nur ein „T“ vergessen wurde. Wem die Abrechnung übrigens zu hoch erscheint, der sollte diese zuerst mit seinem Tierarzt durchsprechen. Auf der Seite von Dr. Schmitz ist dies ganz gut erklärt und man findet dort ein gutes Beispiel, daß zum Beispiel die „Kastration“ in der GOT aus mehr besteht als nur dem reinen operativen Eingriff und man alle Kosten addieren muss um auf den Gesamtbetrag zu kommen. Sicherlich darf aber nachgefragt werden, wenn auf einmal ein vierfacher Satz berechnet wurde, denn auch Tierärzte müssen sich AN die GOT halten und nicht „FÜR GOTT halten“.

Wie sinnvoll die Schulmedizin an vielen Stellen sein kann seht ihr anhand von 4 Videos zum Thema „Erste Hilfe“, die wir schon mal veröffentlicht hatten, aber die hier nicht fehlen dürfen: Erste Hilfe – Fundstücke bei Youtube

Alternative Heilmethoden werden üblicherweise von Tierheilpraktikern praktiziert. Oft leider auch von Scharlatanen mit Abschlüssen von zweifelhaften (Online-/Fern-) Universitäten, gegen die im großen Stil wegen Betrugs ermittelt wird/wurde. Meist denken die Betroffenen, daß sie wirklich etwas zu praktizieren haben, was sich bei näherer Betrachtung aber als Gegenteil herausstellt. Anika von Haustiger wird demnächst noch einen Artikel dazu schreiben, wie man einen guten Tierheilpraktiker erkennt. Gute gibt es aber auch genügend, also keine Sorge. Bei Anika findet ihr schon mal einige Links: THP / TP

Homöopathie:
Wie schon oben erwähnt finden sich „im Netz“ und in der Mund-zu-Mund-Propaganda etliche Empfehlungen. „Nimm doch Globuli“ kann man in jeden beliebigen Satz einbauen. „Ist der Rasenmäher kaputt? Nimm doch Globuli“ Bei einer Suche findet sich bestimmt irgendein Ergebnis. Und was Globuli nicht alles heilen können. Auch wenn das jetzt etwas süffisant klingt haben wir uns eingehend mit der Materie beschäftigt und glauben auch, daß Globuli vieles heilen können. Sie können aber auch viel Schaden anrichten. Deswegen ist der Weg zur Mittelwahl je nach Schwere der Krankheit zu einem Therapeuten unerlässlich.

Letztens im Online Seminar zur Homöopathie haben wir ein gutes Beispiel dazu gehört. Da ging es um die weit verbreitete These, vor einer Operation proaktiv Arnica Montana zu verabreichen, um  die anschliessende Erholungsphase zu beschleunigen. Dies hat eine Tierbesitzerin und Hobbyhomöopathin auch getan. Bei der Operation der Hündin gab es allerdings Komplikationen und die Tierärzte waren nicht in der Lage, die Blutung zu stoppen. Arnica Montana regt den Blutfluß an. Die Hündin starb.

Homöopathische Mittel werden nicht proaktiv verarbreicht. Es heisst „Ähnliches mit Ähnlichem heilen“, nicht „Nichts vorhandenes mit irgendwas, was kommen könnte heilen“.

Man empfiehlt auch anderen nicht einfach etwas. Wenn dann muss das fundiert und gut recherchiert sein. So kann zum Beispiel das falsche Mittel bei einem einfachen Schnupfen Symptome unterdrücken, die im späteren Verlauf – wenn sich herausstellt, daß es gar kein einfacher Schnupfen ist – die Diagnose deutlich erschweren. Deswegen gibt man auch nicht einfach hohe Potenzen. Eine hohe Potenz bedeutet, daß das Mittel umso mehr verdünnt ist. Man sagt daß je schwerer die Krankheit ist bzw. je tiefer die Verletzung, desto „schwerer und tiefer“ das Mittel sein soll, also desto höher potenziert. Hohe Potenzen können mit einer Gabe auf Wochen wirksam sein und werden zu recht oftmals nur an Therapeuten verkauft. Bei chronischen Erkrankungen sieht man die Homöopathie oftmals im Vorteil, beschränken sich doch viele Schulmediziner auf Cortison. Sollte man offen dafür sein, einen THP zu Rate zu ziehen, dann sollte man dies bereits am Anfang, direkt nach der Diagnose tun, nicht erst am Ende, wenn alles andere nicht mehr hilft. Dann kann auch der THP nicht mehr viel ausrichten.

Zur Homöopathie insgesamt möchten wir noch auf ein sehr gut gemachtes Video verweisen, das viele Fragen beantwortet wie z.B. den Placebo Effekt und warum Homöopathie wirkt.

Die Homöopathie kann man sowohl bei körperlichen Beschwerden, als auch bei seelischen Beschwerden anwenden. Je nach Seelenbild wird dies wiederum die Wahl des Mittels beeinflussen. Das erschwert das Ganze umso mehr. So kann es sein, daß 5 kätzische Patienten im Wartezimmer sitzen, alle haben dieselbe Krankheit, aber es bekommen alle 5 ein anderes Mittel. Dann kann es wiederum sein, daß jede Miez eine andere Krankheit hat, aber alle bekommen dasselbe Mittel.

Bei Bachlüten und Schüsslersalzen verhält es sich ähnlich, wenn auch Bachblüten für die Psyche eingesetzt werden und Schüssler Salze für den biochemischen Mineralhaushalt. Auch hier gibt man nicht einfach irgendwas, sondern sieht zu, daß man die „eigene Mischung“ für das Tier bekommt. Rescuetropfen sind ein starkes Mittel, aber nicht immer die richtige Wahl für jede Katze.

Phytologie (korrekt eigentlich „Phytopharmakognosie“:
Die „Pflanzenkunde“ oder hier gemeint „Heilpflanzenkunde“ kennt jeder aus dem Humanbereich. Mit Anistee, Kamillentee und Fencheltee kommt ihr schon als Kind in Berührung. Pflanzen gibt es als Tee, als Aufguss, getrocknet, als Umschlag, als Saft oder als ätherisches Öl. Von Pilzen über Giftpflanzen bis hin zu Wald- und Wiesenkräutern ist alles dabei. Und wie bei allem entscheidet die Dosis über Sieg oder Niederlage.

Mit Kräutern kann man Wurmkuren durchführen, genauso effektiv wie chemische Mittel, aber deutlich gesünder. Man kann gegen Parasiten angehen, man kann unterstützend bei chronischen Krankheiten einwirken, man kann Linderung verschaffen. Bei allem ist jedoch wichtig woher die Pflanze stammt – oftmals können diese auch „belastet“ sein. Und es ist wichtig, daß man alle Substanzen immer nur kurweise anwendet und niemals dauerhaft.

TCVM (Traditionelle Chinesische Veterinärmedizin) und Ayurveda sind die großen fernöstlichen Schwestern der „Kräuterkunde“ und werden bereits seit Jahren auch erfolgreich bei Tieren eingesetzt. Über die TCVM streiten sich etwas die Geister. Zwar schon länger an Nutztieren erprobt scheint es eher eine sehr moderne Schwester zu sein, die vor 60 Jahren neu erarbeitet wurde. Therapeuten findet man bei einer Suche nach „TCVM“ einige, bei Ayurveda dann schon deutlich weniger.

Physiotherapie
Das stellt man sich schwierig vor bei einer Katze. Zur TCVM gehört zum Beispiel auch Akupunktur, aber die bezieht sich dann eher auf Hunde oder Pferde. Während man für den Hund schon Wassergymnastik kennt – dürfte lustig werden sich das bei einer Katze vorzustellen – und andere vom Menschen bekannte Therapieformen auch für Haustiere angeboten werden, gibt es bei der Katze relativ wenig. Was es aber gibt ist zum Beispiel der „Tellington Touch“, eine spezielle Massagetechnik, auch ganz besonders für Katzen geeignet. Ich liege sofort flach, wenn Frauchen anfängt mir den Nacken und Rücken zu massieren. Dort wird auch die Öhrchenmassage beschrieben, die – wie man munkelt – auch die Selbstheilungskräfte anregen können soll. Gefallen tut es uns auf jeden Fall. TTouch ist auch etwas, was man bei der gesunden Katze selbst ausprobieren kann. Erst wenn nach einem Unfall zum Beispiel Unterstützung notwendig ist, sollte man sich die richtigen Griffe von einem Fachmann zeigen lassen. Dasselbe gilt für die Bewegungstherapie, auch gerne Krankengymnastik genannt, die schon vielen Katzen nach einem Kippfenstersyndrom zurück auf die Hinterbeine geholfen hat.

kann man nicht auch … nehmen?

Nein, kann man nicht! Man glaubt keinen Leuten, die im Internet irgendwas schreiben, schon gar keinen Katzen und auch keinem Professor Jasper. Man macht nicht einfach. Man sucht, man recherchiert, man weitet die Suche aus in die Themengebiete Chemie, Biologie, Medizin und vergleicht und versteht WIE etwas funktioniert und findet heraus WARUM es funktioniert und besorgt sich Studien. Interessanterweise sind nämlich 100% aller Wundermitteltester nach dem grandiosen Ausspruch „Es hilft, es ist ein Wunder“ für weitere Fragen nicht mehr erreichbar. Man mag sein Kopfkino einmal durch die Abendvorführung laufen lassen und sich vorstellen warum diese Menschen nicht mehr antworten. a) Weil sie als neuer millionenschwerer Guru auf einer Insel in den Melediven leben? b) …
Wir tippen auf b)

Natürlich ist die ganze Aufstellung nicht vollständig. Die Reiki-Meisterin wird aufschreien, der Tensor-Stab dreht sich in seiner Schachtel herum – je weniger eine Technik bekannt ist, desto mehr sollte sich der Leser fragen warum das so ist.

3 Kommentare

  1. simone
    11 Jul 2013

    Ein alternativ arbeitender ta ist super kann ich nur empfehlen.tolle website hier

  2. Myriam Gelderblom
    12 Sep 2013

    Hallo, ich habe das im Netz und in Büchern schon mehrfach gelesen, dass (angeblich) Tiere nach Operationen/Verletzungen sterben, die vorher Arnika bekommen haben. Nun ja, es gibt es viele Menschen, die behaupten, das Homöophatie nicht wirkt. Sie wirkt aber doch so gut, dass eine Blutung während einer OP nicht zu stoppen ist? Ist das eine „Ente“, die sich in der Lektüre oder im Netz verbreitet oder kennst Du wirklich jemanden, dem das passiert ist ? – Liebe Grüße Myriam Gelderbom

    • the3cats
      13 Sep 2013

      Hallo Myriam,
      das wurde mir im Homöopathie-Einsteiger-Webinar gesagt und das ist bei einem Hund tatsächlich passiert, daher die explizite Warnung vor der Wirkung der Homöopathie allgemein und bei Arnica im Besonderen. Der Blutkreislauf findet bei einem Kleintier um einiges schneller statt als beim Menschen, aber es gab auch schon bei Menschen „Schwierigkeiten“ – nur sind die dort einfacher in den Griff zu bekommen.
      Und natürlich verbreiten wir hier keine „Enten“ im Blog 😉
      Liebe Grüße,
      Silke

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