Jasper: Mama, kann ich auch Ebola bekommen? [Das Ebola-Virus in der Rohfütterung]

Jasper: Mama, kann ich auch Ebola bekommen? [Das Ebola-Virus in der Rohfütterung]

Das habe ich die Mama schon vor langer Zeit gefragt. Und sie hat sich erkundigt und mir gesagt: „Nein, mein Kind äh Kater. Aber ich als Mensch, ich könnte das bekommen.“

Und hier ist unsere Recherche.

Wer noch nicht von dem größten Ebola-Ausbruch der Geschichte der Menschheit gehört hat, der sollte sich mal Gedanken machen, ob man nicht wenigstens einmal in 9 Monaten Radio hören, Nachrichten gucken oder Zeitung lesen sollte. So lange wird nämlich schon in den Medien berichtet.

Experten betrachten die Entwicklung sehr besorgt und ein Teil der Sorge sickert in den ganzen Berichterstattungen zu uns durch. Gehörten die südwestlichen Länder Afrikas jetzt nicht unbedingt zu den bevorzugten Urlaubsgebieten der Europäer, sind sie jetzt ganz sicher von einigen Listen verschwunden. In Guinea, Sierra Leone und Liberia herrscht seit Dezember 2013 Ausnahmezustand und auch einige weiter entfernte Länder wie die USA haben schon mit dem großangelegten Erwerb von Schutzkleidung für eine Ebola Epidemie Schlagzeilen gemacht.

Was das jetzt alles mit uns zu tun hat? Nun, wir haben uns schon vor Wochen mit dem Thema beschäftigt und eine kurze Zusammenfassung in unserer Lieblings-Facebook-Gruppe zur Verfügung gestellt. Uns hat nämlich interessiert wie Ebola übertragen wird, wie resistent das Virus gegen Einfrieren und so ist und ob ich mich möglicherweise infizieren könnte, wenn die Mama mir Antilopenfleisch aus Südafrika gibt. Oder Straußenfleisch oder sowas.

Die Antwort ist nein. Nach aktuellem Forschungsstand können Katzen nicht an Ebola erkranken.

Aber die Mama, die könnte das bekommen.

Und zwar geht das so:

Ebola ist ein Virus der Filoviridae-Familie. In der Familie gibt es 5 verschiedene Familienmitglieder: Zaïre Ebolavirus, Sudan Ebolavirus, Reston Ebolavirus, Taï Forest Ebolavirus und Bundibugyo Ebolavirus. Derjenige, der da gerade in Südwestafrika rumsaust ist der Zaïre (EBOV), der olle Verteiler, der. Wie das Virus aussieht kann man hier mal sehen.

Oder hier:

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(Wie ein Faden (lat. „filum“, daher „Filoviridae“) sieht das Ebola-Virus aus *erklär*)

3.000 Leute hat er bei dieser Epidemie schon infiziert, 1.500 sind bereits gestorben. Experten rechnen damit, dass insgesamt 20.000 Menschen infiziert werden, bis der Zaïre unter Kontrolle gebracht wurde. Die Todesrate liegt bei 50 bis 90% bei Primaten – Menschen eingeschlossen.

Übertragen wird das Virus durch Körperkontakt und da bei so ziemlich allem, was man sich denken kann, ausser über die Luft. Für andere Tierarten ist das Virus gar nicht unbedingt gefährlich, es kann aber trotzdem vom Wirt reproduziert werden. Das können Nagetiere sein, auch Schweine sind bereits infiziert worden und haben das Virus übertragen, bei Hunden wurden 30% der Blutproben seropositiv bewertet, also festgestellt, dass Antikörper im Serum vorhanden waren1, aber vor allem fliegende Tiere sind ein besonders großes Risiko, da sie das Virus weit in die Welt hinaustragen. Flughunde und Fledermäuse sind bisher die bekanntesten Helfer vom ollen Zaïre, die alten Verteiler, die.

In Afrika ist es üblich „Buschfleisch“ zu essen. Mit „Buschfleisch“ werden kleine Antilopenarten, Affen, Flughunde und eine Rattenart bezeichnet. Wenn dieses Buschfleisch nun infiziert ist und verzehrt wird, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der ‚Genießer‘ auch infiziert wird. Infiziertes Fleisch müsste mindestens 60 Minuten bei 60°C erhitzt werden werden um das Virus abzutöten. Oder für 5 Minuten gekocht. In den betroffenen Ländern wird aber auch vieles luftgetrocknet.

Jetzt werdet ihr sagen: „Ja ja, aber Buschfleisch essen wir doch gar nicht!“

Dann werden wir sagen: „Ja ja, aber weil ihr eine doofe Allergie habt oder eine Ausschlussdiät macht, esst ihr Antilopen aus Südafrika und Straußenfleisch esst ihr vielleicht auch.“

Und dann guckt mal wie nah Südafrika an den 3 „non grata“ Ländern liegt. Antilope und Strauss könnten theoretisch auch in Südafrika infiziert werden.

Zudem gilt Buschfleisch als Delikatesse in diesen Ländern (unglaublich, aber wahr) und ist schon gerne mal illegal nach Europa importiert worden. Die Schweiz hat sogar einen eigenen Report dazu veröffentlicht und darin wird geschätzt, dass innerhalb eines Jahres von normalen Passagieren versucht wird, 8,6 Tonnen Buschfleisch zu importieren2. Schweiz. Quasi kleines gallisches Dorf. 8,6 Tonnen Buschfleisch. Das ist doch mal ’ne Hausnummer, oder?

Und wo die dann bleiben, wenn die doch mal importiert werden weiss auch keiner. Vielleicht beim nächsten Fleischimporteur, der auch Antilope und Strauss liefert. Und wie das in anderen europäischen Ländern aussieht weiss man auch nicht genau.

Jetzt werdet ihr sagen: „Ja ja, aber Antilope oder Strauss bekommen wir doch dann gefroren!“

Dann werden wir sagen: „Ja ja, aber Einfrieren macht dem Virus gar nüscht.“

Chepurnov et al.3 haben nämlich herausgefunden, dass das Virus auch mehrmaliges Auftauen und Einfrieren überlebt. Da muss man schon mit Gammastrahlen, Bleiche oder anderen schweren Geschützen kommen. (Schmeckt aber nicht)

Es ist klar, dass die Wahrscheinlichkeit gering ist, aber uns hatte das einfach interessiert und wir haben recherchiert und wo wir das doch alles beisammen hatten konnten wir das doch auch gut in einem Artikel verbraten. Und dieser Artikel ist natürlich genauso dazu gedacht, euch Rohfütterer zu sensibilisieren, wenn ihr tatsächlich Antilope oder Strauss aus Südafrika verfüttert. Schaut, wo das Fleisch herkommt. Weiss euer Lieferant wirklich genau wo das Fleisch herkommt? Verkauft irgendein dubioser Fleischimporteur Buschfleisch als Antilope? Wurde das Fleisch getestet?

Vielleicht seid ihr auch etwas vorsichtiger beim Fleisch verarbeiten. Ist das Fleisch infiziert, dann könnt ihr euch ebenfalls infizieren, wenn ihr nicht aufpasst.

Wirksam desinfizieren könnt ihr mit jedem Mittel, das gegen „behüllte“ Viren empfohlen wird. Auf der Verpackung sollte dann mindestens „begrenzt viruzid“ stehen.

Ergänzend zu dem Teil mit den Hunden oben sei gesagt, dass Hunde lllllei…. – ach, ich verkneif’s mir – nicht an Ebola sterben. Ist auch ok, wo Licht ist muss auch Schatten sein. *putz* Eine Infektion verläuft bei Hunden asymptomatisch, mit anderen Worten: Ihr  Menschen kriegt nix mit. Ausser Ebolaviren vielleicht… *putz weiter*

Die Hauptbotschaft dieses Artikels hier nochmal zusammengefasst: Katzen können nach heutigem Kenntnisstand nicht an Ebola erkranken.

Und wer noch mehr über Ebola wissen möchte, der findet auf den Seiten des European Centre for Disease Prevention and Control viele weitere und vor allem ständig aktualisierte Informationen über die Ebola Epidemie.

  1. Studie: Review of Ebola virus infections in domestic animals []
  2. Report: Illegal import of bushmeat and other meat products into Switzerland on commercial passenger flights []
  3. Studie: The effect of some physical and chemical factors on inactivation of the Ebola virus []
LiJaLuJi: Burn-Out im Tierschutz - Was ist das? Wie erkennt man das? Was kann man tun?
LiJaLuJi: Charity-Aktion: "Pimp my Mama" [LeChatVIVI -Armband]

5 Kommentare

  1. Jasper-Kumpel, wieder großartig recherchiert! Danke.

  2. Babs
    30 Sep 2014

    Danke, liebner Jasper. Das war sehr interessant und wir haben mal wieder dazu gelernt.

  3. engelundteufel
    1 Okt 2014

    Danke für die großartige Reportage, Japser! Dank dir lernen wir immer wieder dazu.
    Schnurrer Engel und Teufel

  4. Elke
    3 Okt 2014

    Das sind ja wirklich interessante und informative Ausführungen vom Jasper.
    Du bist ja ein ganz Schlauer!!! Und dank dem schlauen Jasper blicken wir im großen Weltgeschehen wieder ein bisschen besser durch!!!

    Liebe Grüße von
    Elke

  5. Maunzdorfener Kurier
    14 Okt 2014

    Höchst interessant – nur gut, dass wir hier nur einheimisches ‚Buschfleisch‘ futter. Frisch gefangen selbstverfreilich 😉

Maunz uns was...

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