Jasper: Aua, aua, tut das weh! [Buchrezension: ‚Risiken der Homöopathie bei Katzen‘ von Dr. Michael Streicher]

Jasper: Aua, aua, tut das weh! [Buchrezension: ‚Risiken der Homöopathie bei Katzen‘ von Dr. Michael Streicher]

Ganz schön langer Titel, hm?

Also den Dr. Michael Streicher kennen wir ja schon von dem Buch „Katzen gesund ernähren“ wo der Katzenkekse backt und da haben wir den schon Katzenmichi getauft und das ist kurz, schön und knackig und da können wir auch bei bleiben *find*

Der Katzenmichi hat Ende 2012 seinen eigenen Verlag gegründet, das ist der Antheon-Verlag und zum Glück schreibt der da ein Buch nach dem anderen. Einige haben wir schon in unsere sehr umfangreiche Katzenbibliothek eingereiht und heute haben wir uns mal des Katzenmichis neustes Werk rausgepickt und das heißt „Risiken der Homöopathie bei Katzen – Gefahren und Grenzen der Selbstdiagnose„.

Die Eckdaten sind folgende:

Broschiert: 128 Seiten
Verlag: Antheon; Auflage: 1 (16. Dezember 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3944431049
ISBN-13: 978-3944431048
Größe und/oder Gewicht: 19,8 x 16,4 x 1,2 cm

Bestellen kann man das überall im Buchhandel, euer örtlicher Buchhandel (wenn es den noch gibt) wird sich sicher noch mehr freuen, wenn ihr das über ihn bezieht. Und so sieht das aus, damit ihr wisst dass ihr auch das richtige Buch bekommen habt. Unser Behindicat zeigt euch das mal:

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Homöopathie also, hm? Wir haben ja schon vor langer Zeit einige Gedanken dazu auf unserer Seite „Katzengesundheit“ festgehalten und waren neugierig in welche Richtung das Buch geht.

Wer sich mit Homöopathie beschäftigt wird dauerhaft mit der Frage konfrontiert: „Wirkt sie oder wirkt sie nicht?“ Man kommt dann zwangsläufig an eine Weggabelung und muss eine Entscheidung treffen und kann danach erst einen der beiden Wege weitergehen. Entscheidet man sich dafür dass Homöopathie wirkt, lässt man alle ‚militanten‘ Berichte und Quellen von Gegnern links liegen und geht den rechten Weg (kleiner Kalauer). Dort findet man aber wiederum nur die lobpreisenden Berichte und Quellen der Anhänger und selten findet man einen dritten Weg, der beide kritisch hinterfragt oder besser gesagt die Spielregeln für das Spiel mit den Zuckerkügelchen festlegt. Bis jetzt. Dank dem Katzenmichi ist der Weg jetzt nicht mehr irgendwo hinter Gestrüpp verborgen, sondern offen begehbar.

„Wirkt sie oder wirkt sie nicht?“ ist auch überhaupt kein Thema in dem Buch sondern die Botschaft ist viel simpler. Die erste Spielregel lautet:

1. Zuerst kommt die Diagnose (und dann der Rest)

Einige dürften sich jetzt mit der Pfote an die Stirn klatschen. „Katz, ist das einfach!“

Hätten das so manche „fürsorglichen“ Katzenhalter nämlich beherzigt, dann hätte Momo nach der Kastration kein Nierenversagen bekommen, Katze „arme Maus“ (Name frei erfunden) hätte nicht über 7 Wochen 2,7 kg Gewicht verloren, das Plattenepithelkarzinom wäre nicht riesengroß und hätte eventuell behandelt werden können, Kater Felix hätte in 2 Tagen nicht 150ml Eiter in der Wunde angesammelt und andere hätten nicht mit halb abgebissener Zunge eine Woche auf die Notfallversorgung warten müssen.

Spätestens hier ist klar, dass wir dieses Buch niemals hätten schreiben können und vermutlich die erste Katzenpraxis ohne Kunden betreiben würden. Unser Hals wäre schon lange geplatzt. Wir sind fassungslos! Und wenn ihr gedacht habt, dass sich der Titel des Artikels auf uns Katzen bezieht, dann wisst ihr spätestens hier, dass sich dieser auf genau die Katzenhalter bezieht, welche die Anregung zu diesem Buch geliefert haben.

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„Aua, aua, tut das weh!“

Leute! Ihr müsst doch unsere Kumpels zum Doc bringen und könnt nicht einfach selber rumprobieren. Teilweise bei Verletzungen, da sträuben sich die Nackenhaare. Das ist in unseren Augen ganz klar Tierquälerei. Gerade weil Katzen so spät Symptome zeigen und Meister im Unterdrücken von Schmerzen sind. Unser Zweitname müsste eigentlich Wundertüte sein. „Gestatten? Mein Name ist Jasper Wundertüte. Versuch mal Dein Glück, Doc.“ Und der Doc ist auch der erste, der das Tier sehen sollte. Anschliessend kann man ja dann den THP mit einbeziehen und die Therapie besprechen, aber bevor man nicht weiß was Katz hat kann man Katz auch nicht behandeln. *find*

Wer jetzt denkt, dass es das schon war mit dem Buch, der liegt komplett falsch. Im ersten Kapitel findet man die kurze Einleitung ins Thema und nach der Erläuterung der ersten Spielregel (s.o.) und vielen wichtigen Hinweisen geht das Zuckerkügelchenspiel erst richtig los. Wichtige Infos sind zum Beispiel wie tückisch die erwartete „Erstverschlimmerung“ sein kann (‚Wird schlimmer also hilft’s‘) oder dass nach 10 Jahren Halterbefragung klar ist, dass mehr Katzen durch homöopathische Vorbehandlung Schäden davongetragen haben als Nutzen. Nicht wenige Katzen sind schon tot, wenn sie in der Praxis ankommen und haben noch ganze Wagenladungen an Globuli im Mund. Lediglich 5% aller Katzenhalter konsultieren eine in der Homöopathie geschulte Fachkraft! … fünf Prozent … und von denen gibt es noch welche die zunächst weiter an den Tierarzt verweisen, weil deren Grenzen erreicht sind.

Und jetzt sind wir erst auf Seite 17 und das Hauptthema ist quasi schon abgefrühstückt. Was jetzt kommt hat uns echt umgehauen. Unzählige Bilder von Augen, Mäulern, Rachen, Wunden, Zähnen zeigen eindrucksvoll was alles in Tierarzthände gehört und warum. Bilder sagen tatsächlich mehr als tausend Worte! Allein wegen dieser seitenweisen Erläuterungen und dazugehörigen Bilder ist das Buch schon eine Pflichtlektüre. Jeder kann sich danach sicher sein wo seine Grenzen liegen. Und die sind viel weiter vorne als man denkt.

Und um die Grenzen noch mehr zu verdeutlichen gibt es am Ende sogar noch einen Test mit einer kurzen Erklärung des Falls, einem Foto und der Frage ob man selbst behandeln kann oder nicht? 12 Fälle stehen zur Auswahl und wer Doktor spielen möchte, der hat hier eine prima Möglichkeit gefunden. Da muss man Minka nicht 2 Wochen humpeln lassen und Moppelchen nicht 3 Näpfe täglich leer trinken lassen.

Wir wussten das ja vorher schon, aber wurden nochmal sensibilisiert. Unsere umfangreiche Hausapotheke – die ja praktischerweise für Katz oder Mensch gleich geeignet ist – ist quasi auch noch nie zur Anwendung gekommen. Nur einmal und das war auch nicht der Rede wert *hust*

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„Ich pass auf dass Mama keinen Mist macht!“

Wer also jemanden kennt, der wild mit Globuli um sich wirft, der hat schon ein prima Geschenk. Fairerweise muss man dazu sagen, dass natürlich nicht jeder Tierarzt so gut ist wie der Katzenmichi und man verstehen kann, dass manche aufgrund schlechter Erfahrungen zur Zuckerkugel greifen. Nichtsdestotrotz sollte man das Wohl unserer Kumpels nicht aus den Augen verlieren und da – wie bei allem im Leben – differenzieren können. Bei der Entscheidung ob Doc oder nicht hilft dieses Buch aber ein großes Stück weiter.

Alles in allem ist dieses Buch für jeden, der „Homöopathie“ und „Katze“ schon mal in einem Satz verwendet hat, eine absolute Pflichtlektüre!

Was uns nur am Rande erwähnt ein klein wenig unangenehm aufgefallen ist sind die vergleichsweise vielen Rechtschreibfehler und der etwas gedrungene Buchsatz, der das Lesen manchmal etwas anstrengend macht. Ein Stichwortverzeichnis wäre auch voll tofte gewesen. Wir werden den Katzenmichi mal mit der Hexenmieze bekannt machen 😉

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3 Kommentare

  1. Christina
    11 Jan 2014

    Das ist eine coole Idee – vielleicht ist der Katzenmichi ja ein ganz Aufgeschlossener und dem Knüpfen neuer Netzwerke nicht abgeneigt.
    Ich bin der Überzeugung, dass eine große Zahl an Tierhaltern ihre Tiere im Krankheitsfall grundsätzlich gar nicht medizinisch versorgen – nicht mal mit Zuckerkügelchen. 😐 Wenn ich mir nur mal anschaue, wie sehr in einschlägigen Foren hellseherische Ferndiagnosen nachgefragt werden – à la „Mucki bewegt sich nicht mehr, was kann das sein?“ – da platzt mir der Hals. 👿
    Ich habe das Glück, dass unsere Tierärztin auch mittels Homöopathie behandelt. Da kann ich ihr getrost die Entscheidung überlassen, welche Methode im Einzelfall angezeigt ist – die sanfte heilpraktische oder besser die schulmedizinische Anwendung.

    Liebe Grüße von Christina

  2. Moin, Jasper!
    Wir stimmen dir vollinhaltlich zu. Ob ich homöopathische Mittel verwende oder ob ich nach homöopathischen Gesichtspunkten behandle, sind zwei verschiedene paar Schuhe. Wir haben einen Schulmediziner/ Homöopathen, der nur noch homöopathisch arbeitet und eine sehr aufgeschlossene schulmedizinische Ärztin an unserer Seite. Beide ergänzen sich. Hier haben wir uns mit dieser Thematik auseinander gesetzt (falls du die Artikel noch nicht kennst): http://pfotenland.wordpress.com/2010/01/19/so-heilen-wir-ein-neuer-alter-ansatz-teil-2/

    *highfive* Matze+Rudi

  3. Dosinchen ist da auch vorsichtig mit. Sie gibt die homöopathischen Mittelchen nur nach Rücksprache mit der TÄ. Sie ist sich nämlich im Klaren darüber, dass eine falsche Mischung ggf. Folgen haben kann. Sie hat auch schon eine Tierheilpraktikerin aufgesucht, denn einfach so mit ihrem gefährlichen Halbwissen wollte sie dem Felix und Shadow nichts geben.

    Aber auch sie ist manchmal sprachlos, wie einige erst einmal Foren aufsuchen, einen Beitrag schreiben und die Antworten abwarten bis sie dann endlich doch den TA aufsuchen. :/ Oder gar erst einmal die Tipps von Laien versuchen 😯

    Stumper
    Felix, Shadow, Ernie und Monti

Maunz uns was...

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